Donnerstag, 20. Mai 2010

...und immer diese Schuhe!

Viele von euch werden schonmal gehört haben, dass man in Japan generell die Schuhe auszieht, wenn man ein Haus betritt.
Wer sich etwas intensiver mit dem Land auseinander gesetzt hat wird auch wissen, dass dasselbe für relativ viele Restaurants und erst recht für Tempel gilt.

Eher unbekannt ist wahrscheinlich, dass auch die Rettungswagenbesatzung ihre Schuhe auszieht, wenn sie zu einem Notfall nach Hause gerufen wird.

Auch beim Betreten der Forschungslabore an der Uni hier werden am Eingang die eigenen Schuhe gegen Laborschlappen umgetauscht. Vor allem im Schweinelabor war die Schuhtauscherei sehr verwirrend, wie im Folgenden kurz dargestellt:

Den Eingang betrete ich mit meinen Krankenhausschuhen. Nach 1,5 Metern tausche ich sie vor einer Stufe gegen schwarze Lederimitatschlappen.
Ich gehe den 10 Meter langen Gang zu den Umkleiden, vor der Umkleide lasse ich die Schlappen stehen und gehe auf Socken durch die Tür.

Umgezogen (Einmalhose, -hemd, Maske, Papierhaube) nehme ich ein paar blaue Plastik-OP-Schuhe in die Hand (nicht anziehen!) und trete durch die nächste Tür in eine kleine Kammer.
Dort bleibe ich stehen, warte dass sich die Tür hinter mir schließt, damit die automatische "air shower" in 15 Sekunden alle Fusseln und Bakterien von mir und den Schuhen pusten kann.

Noch eine Tür, dann habe ich das OP-Innere erreicht. Will ich jetzt allerdings in das Schweinchenzimmer, muss ich mir statt der OP-Schuhe wieder Gummistiefel anziehen, das erscheint mir aber ehrlich gesagt auch als ziemlich sinnvoll.
Und falls ich während der OP zur Toilette müssen sollte, lasse ich dort selbstverständlich meine OP-Schuhe vor der Tür stehen und schlüpfe geschickt in die rosa Toilettenschläppchen.

Toilettenschläppchen gibt es fast immer auch in den normalen Wohnhäusern, und eines der Fettnäpfchen, vor dem jeder Touri gewarnt wird, besteht aus genau diesen Toilettenschuhen. Es verursacht wirklich sehr entgleiste Gesichter, wenn man mit den Toilettenschläppchen an den Füßen ins Wohnzimmer getrampelt kommt.

Ich war eigentlich davon überzeugt gewesen, dass ich diesen Schuhtanz mittlerweile beherrsche, ich habe ja schließlich lange genug in diesem Land gelebt.
Tja, Pustekuchen.

Letzte Woche, Schauplatz Umkleide, diesmal aber Menschen- statt Schweine-OP (Bild von der Eingangsseite der Umkleide).













Auch hier ziehe ich mir im Eingang die Schuhe aus, schnappe mir eine Montur mausgraue Studenten-OP-Kleidung (die kleinen Männchen rechts oben, blaue Käppchen für Medizinstudenten, rosa Käppchen für Nurse students), gehe dann auf Socken zum Spint und ziehe mich um.

Zuletzt noch ein ganz kurzer Toilettenbesuch, diesmal sind es zur Abwechslung orangene Plastikschläppchen.
Der Toilettenbereich ist um 10cm abgesenkt der restlichen Umkleide gegenüber. Auf dem Rückweg bin ich so vertieft in meine Überlegungen, ob ich jetzt in Saal 4 oder 10 muss, dass mich erst der entsetzte Ausruf einer OP-Schwester daran erinnert, dass ich soeben mit den orangenen Schlappen über die Stufe getreten bin.

Ich versinke vor Scham auf der Stelle im Linoleumboden, wie es jede ordentliche Japanerin tun würde.
Ich murmele etwas von "Und das obwohl ich schon seit 3 Monaten hier bin!" und werde ansonsten einfach mal von der kompletten Umkleidenbesatzung herzlich ausgelacht.

So schnell wie an dem Tag hatte ich noch nie passende OP-Schuhe gefunden...

(Bild von der Ausgangsseite der Umkleide)

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